Aktuelles

Liebe Mitglieder und Freunde des Kulturfördervereins Hirschberg e.V.,

noch immer hoffen wir darauf, dass die Beschränkungen gelockert werden können, doch leider ist dies bisher nicht abzusehen.

Deshalb verkürzen wir Ihnen heute wieder die Wartezeit mit einer Bildbetrachtung von Karlheinz Treiber zu einem Werk aus der geplanten Ausstellung.

Sonja Elmer: Wertzeichen – 2 x Eins aus 25, Acryl und Tusche auf Papier, Einzelblatt 13,3×23,9 cm, 1998

Foto: Sonja Elmer

„Alles, was wir sehen, könnte auch anders sein. Es gibt keine Ordnung der Dinge a priori.“

Die Aussage des Philosophen Ludwig Wittgenstein trifft auf die Arbeiten der Künstlerin Sonja Elmer zu.

Als ehemalige Kunststudentin der Karlsruher Kunstakademie kennt sie die Lehrmethoden der 80er Jahre genau: Das selbstverordnete Thema wird mehrfach variiert, der Akt, der Blumenkohl oder die immergleiche Landschaft werden zum Ausgangspunkt der inneren Befreiung. Wer den Rhythmus eines Aktes versteht, wer die Partitur einer Form begreift, wer den Buchstaben beherrscht, der kann übergehen zu einer freien Sprache, um letztlich seinen Stil zu finden. Das lernende Kind tastet sich an den Buchstaben heran; der werdende Mensch findet seinen Duktus. Der Wertmaßstab meiner Wahrnehmung bin allein ich selbst; eine Werteordnung gibt es nicht.

Ausgangspunkt ihrer Serie „Wertzeichen“ sind Briefmarken, in Blöcken zu 25 Stück zusammengefasst.  Das millionenfach gedruckte Briefmarkenmotiv ist die ideelle und materielle Basis für ihre seriellen Werke. Die immer wiederkehrenden Reihungen werden unterschiedlich übermalt und somit in Form- und Farbkörper unterschieden. Die gleichförmige Masse im Block wird einzigartig; die übermalte Grundform lässt immer wieder neue Spiel- und Interpretationsräume zu.

Leise und meditativ erarbeitet sich die Künstlerin im kleinsten Format eine Abstraktion, bei der die vorgegebene Grundfarbe in ihrem Ton beibehalten und dennoch immer wieder vielfältig variiert wird. Während sich die multimediale Welt hektisch, laut und schnelllebig gebärdet, bietet dieses kontemplative Arbeiten einen Moment des Innehaltens. Nur das genaue Beobachten lässt die Differenziertheit erkennen. Die Nähe eröffnet einen Mikrokosmos von Farben und Formen; sie filtert das Wesentliche heraus, welches aus der Distanz verborgen bleibt.

Sonja Elmer ist eine geborene Malerin, deshalb spielt die vorgegebene Farbgebung des Ausgangsproduktes „Briefmarke“ für sie keine Rolle. Nur die vorgegebene Komposition selbst gibt Richtungen, Formen und Rhythmen vor, die aufgenommen werden, um sie intuitiv zu variieren. Die eingeschränkte, oft monochrome Farbpalette wird in ihrer symbolischen und emotionalen Wirkung bewusst eingesetzt. Das warme Orange suggeriert Wärme und Geborgenheit, das vielfältig modulierte Grün lässt tektonische Bildräume entstehen, die kontemplative Ruhe und Festigkeit ausstrahlen.

Am Ende des Bildblocks mit seinen 25 übermalten Briefmarken offenbart sich im rechten Bildraum ein größeres Bild. Dieses ist keineswegs die Quintessenz des Vorausgegangenen, sondern lediglich eine herauskristallisierte Variante, die das bereits Gefundene weiterentwickelt.

Aus diesem Kontext heraus entstehen schließlich größere Arbeiten auf Papier und Leinwand, die einerseits auf ihre geistige Herkunft verweisen, andererseits sich aber auch von ihr emanzipieren.  

Wir dürfen gespannt sein, was wir von Sonja Elmer zu sehen bekommen.

Karlheinz Treiber

Nun noch ein Wort in eigener Sache:

Wie Sie wissen, haben wir im letzten Jahr die Mitgliederversammlung ausgesetzt. In Anbetracht der ständig notwendigen Anpassungen an das veränderte Infektionsgeschehen und der Unmöglichkeit, öffentliche Räume belegen zu dürfen, hatte sich der Vorstand dazu entschieden. Die Hoffnung, gleich zu Beginn des Jahres 2021 eine Mitgliederversammlung abhalten zu können, hat sich mittlerweile auch zerschlagen. Wir möchten unseren Mitgliedern die Möglichkeit bieten, eine virtuelle Versammlung abzuhalten. Da dies mit einem sehr hohen Aufwand verbunden ist (und dies für uns ehrenamtlich tätige Mitglieder des Vorstandes auch eine Premiere wäre) wird dies nur geschehen, wenn eine solche Sitzung von unseren Mitgliedern tatsächlich gewünscht wird.
Wenn Sie mögen, teilen Sie uns bitte Ihre Meinung dazu per mail mit.

Das für Mitte März geplante Konzert muss leider verschoben werden.

Wenn Ihr Hunger nach Kunst und Kultur noch ein wenig Futter gebrauchen kann, bieten wir Ihnen an, über den Verein die Zeitschrift Metropol zu erhalten. Melden Sie sich dazu bitte per eMail. Es sind noch einige Exemplare verfügbar, die wir gerne an Sie weiterreichen.

Auch hier gibt es viel Anregendes zu sehen und zu hören:

Ferdinand von Schirach besucht den Künstler Anselm Kiefer in seinen Ateliers/auf seinem Anwesen in Südfrankreich
https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/dialoge-in-suedfrankreich-100.html

Link zur Sonderausstellung Anselm Kiefer in der Kunsthalle Mannheim
https://www.kuma.art/de/anselm-kiefer