Aktuelles

Liebe Mitglieder und Freunde des Kulturfördervereins Hirschberg e.V.,

wer hätte vor einem Jahr unken wollen, dass uns ein weiteres Osterfest bevorsteht, an dem die Riten nicht wie überliefert gefeiert werden können und selbst Familientreffen nicht uneingeschränkt möglich sind. Noch immer hält diese merkwürdige Zeit uns im Griff und zwingt uns ganz eigene Regeln auf.
Die Zeit … Was ist sie? Wie empfinden wir sie?


Unser Mitglied Dr. Klaus Schmidt hat sich Gedanken dazu gemacht und lässt uns teilhaben:

Das Zeitverständnis hat sich verändert von kreisförmig zu linear

Eine Kulturbetrachtung

In der Antike dachten die Römer in kreisförmigen Abläufen. Die Woche hatte sieben Tage. Jeder Wochentag stand unter dem Einfluss eines Planeten. Durch die spezielle Position des Planeten relativ zur Erde konnte er Einfluss nehmen auf irdische Abläufe. So die Vorstellung im geozentrischen Weltbild. Das wiederholte sich Woche für Woche. Ein Ereignis auf dieser Welt war also einem Tag zugeordnet, dem Wirken eines Planeten. Ein Beispiel: „Am dritten Tage auferstanden von den Toten“. Jesus starb am Freitag gegen die zwölfte Stunde, am Morgen des folgenden Sonntags war er auferstanden. Das sind deutlich weniger als zwei Tage. Nach römischer Zuordnung der Ereignisse zu einem Tag war Jesus am 1. Tag, Freitag, gestorben, am Sonntag, dem 3. Tag auferstanden. Unsere Zeitvorstellung bezieht sich auf einen Anfang und läuft dann linear ab. 24 Stunden nach einem Ereignis wäre der 1. Tag beendet und würde der zweite Tag beginnen. Wir würden also sagen: Jesus ist am 2. Tage auferstanden.
Als kleiner Junge erschien mir die Aussage im Glaubensbekenntnis von dem dritten Tag viel länger als das Schweigen der Kirchenglocken von Freitag Spätnachmittag bis Sonntagmorgen.

Dr. Klaus Schmidt

Unsere Reihe der Bildbetrachtungen setzen wir mit einigen
Lieblingsstücken
aus der Sammlung der Rathausgalerie fort:

Foto: Elke Geiger

Elke Geiger,  Meerwärts, 1995, Schwarzweiß-Fotografie

Die Heidelberger Fotografin Elke Geiger, die mit ihren poetischen Fotoarbeiten wiederholt an Ausstellungen in der Rathausgalerie beteiligt war, verstarb im Jahre 2011. Ihr zu Ehren und im Gedenken an sie veranstaltete der Kulturförderverein im selben Jahr eine Ausstellung mit ihren Fotografien und Arbeiten ihrer Wegbegleiter und Künstlerfreunde.

Meerwärts ist Elke Geigers Fotografie überschrieben und ebenso lautete der Titel der damaligen Ausstellung, nicht zufällig, denn die mit der klassischen Hasselblad-Kamera aufgenommene Fotografie steht beispielhaft für die optische Handschrift der Fotografin:
Ein Boot liegt verlassen am Strand, sein Bug zeigt in strenger Bildsymmetrie meerwärts auf den weiten Horizont, die Ruder liegen im Bootsinneren bereit und lenken den Blick in die Tiefe.
Mit äußerster Sparsamkeit im Einsatz der gestalterischen Mittel gelingt es hier, beim Betrachter eine ganze Assoziationskette in Gang zu setzen und die Gedanken auf die Reise zu schicken.
Ausgelöst allein schon durch das archetypische Sinnbild des Bootes, als Zeichen für die Lebensreise, den Übergang ins Jenseits, das Unterwegssein auf unsicherem Grund mit fragilem Schutz – das Boot, Ort der Geborgenheit und Gefährdung zugleich und immer wieder auch Symbol für die Sehnsucht nach Aufbruch und Veränderung.
Für Elke Geiger scheint die Schiffssymbolik von besonderer Bedeutung gewesen zu sein, leitmotivisch zieht sie sich durch ihr gesamtes Werk, in je unterschiedlicher Umgebung und Umsetzung. Ausgerüstet mit der Kamera hat sie sich auf Spurensuche begeben, mit Vorliebe in die beredte Stille der Natur; dort, wo sie sich gerne aufhielt in der kargen Landschaft Griechenlands, auf Sylt oder im heimischen Odenwald. Ihre konsequente Schwarzweiß-Fotografie ist sachlich und präzise in der Schilderung, aber poetisch im Ausdruck und meist umgeben von einem Hauch Melancholie. Nicht zuletzt darin gibt sich die Schule ihres einstigen Lehrers in Mannheim zu erkennen, des international bekannten Fotografen Robert Häusser. Er gab ihr das nötige Rüstzeug mit auf den Weg und sie verstand es, damit eine eigene unverwechselbare Bildsprache zu entwickeln. (Dagmar Burisch)

Im Namen des Vorstandes des Kulturfördervereins HIrschberg e.V. wünsche ich Ihnen allen ein friedvolles, fröhliches und gesegnetes Osterfest.