Rückblick und Fazit auf das 10. Hirschberger Liedfest aus Sicht des Kulturfördervereins und dem künstlerischen Leiter, Alexander Fleischer
„Künstlerischer Leuchtturm“: 10. Hirschberger Liedfest setzt Maßstäbe
Mit seinem zehnten Jahrgang hat sich das Hirschberger Liedfest endgültig als „künstlerischer Leuchtturm in der Metropolregion Rhein-Neckar“ etabliert und eindrucksvoll bewiesen, dass große Liedkunst nicht zwingend große Säle braucht. Vier Tage lang wurde die Alte Synagoge zum Zentrum internationaler Liedkunst – mit hochkarätiger Besetzung, klug kuratierten Programmen und einem Publikum, das diese besondere Mischung aus Tradition und Entdeckergeist mit Begeisterung trägt.
Was vor zehn Jahren beim Veranstalter, dem Kulturförderverein Hirschberg, als mutige Idee begann, hat sich zu einer festen Größe auch im überregionalen Musikleben entwickelt. Dass dies gelungen ist, ist nicht zuletzt diesem Engagement des Kulturfördervereins zu verdanken, der das Festival von Beginn an trägt.
Maßgeblich geprägt wird das Festival von seinem künstlerischen Leiter Alexander Fleischer Mit ihm ist es gelungen, ein Profil zu schaffen, das künstlerische Exzellenz mit persönlicher Atmosphäre verbindet.
Alexander Fleischer, Professor für Liedgestaltung an der Hochschule für Musik Karlsruhe, wählt nicht nur die Künstlerinnen und Künstler aus, sondern entwickelt auch die dramaturgischen Linien des gesamten Festivals. Er prägte das Jubiläumsprogramm mit sicherem Gespür für Qualität, Dramaturgie und Überraschungen. Seine Programme verbinden große Namen mit neuen Perspektiven und schaffen genau jene Mischung aus Vertrautem und Entdeckung, die das Hirschberger Liedfest auszeichnet. Seine Handschrift war auch im Jubiläumsjahr deutlich zu spüren: ein Spannungsbogen, der große Namen mit neuen Perspektiven verbindet – und damit internationale Maßstäbe setzt.
Gleich der Auftakt mit Johannes Brahms’ „Schöner Magelone“ wurde zu einem Höhepunkt. Tobias Berndt beeindruckte mit einer außergewöhnlich ausdrucksstarken Stimme, bestechender Textverständlichkeit und einer nuancierten, exzellenten Gesangstechnik. Mit feinem Gespür für die poetischen Zwischentöne entfaltete er die emotionalen Facetten der Lieder – eine Qualität, die in dieser Konsequenz im Liedgesang selten geworden ist.
Als Rezitator führte Thomas Quasthoff, zugleich Schirmherr des Festivals, durch den Abend. Mit seiner sonoren, unverwechselbaren Bassstimme verlieh er der Erzählung eine fesselnde Präsenz und zog das Publikum mühelos in den Bann der Geschichte.
Der Abend der Liedklasse am Freitag setzte einen bewusst kontrastierenden Akzent. Die Studierenden präsentierten Werke des 20. und 21. Jahrhunderts in eigenständiger Interpretation mit Frische, Mut und hoher künstlerischer Qualität. Das Publikum honorierte die Entdeckungsreise mit großer Aufmerksamkeit und durchaus auch Begeisterung – ein schönes Zeichen für die besondere Offenheit, die das Liedfest inzwischen prägt.
Besonders hervorzuheben waren die Mezzosopranistin Laura Streckert mit ihrem dunklen Timbre und eindrucksvoller Bühnenpräsenz sowie die Sopranistin Sarah Kuppinger, die mit Liedern von Aribert Reimann berührte und mit einer Neukomposition von Howard Haoisi Chen überraschte – eindrucksvoll begleitet von ihrem gleichzeitigen Violinspiel.
Ein weiterer Glanzpunkt folgte am Samstag mit dem Quartettabend – dem bislang großformatigsten Projekt in der Geschichte des Festivals. Gemeinsam gestalteten die Solistinnen und Solisten Lydia Teuscher, Olivia Vermeulen, Lukas Siebert und Tobias Berndt ein homogenes, klanglich fein austariertes Ensemble. Angetrieben von den beiden Pianisten Jan Philip Schulze und Alexander Fleischer entwickelten die Interpretationen eine mitreißende Energie. Die Brahms’schen Liebesliederwalzer verwandelten die Alte Synagoge in ein beinahe entrücktes Wiener Klangidyll – ein Moment von seltener atmosphärischer Dichte.
Den Abschluss bildete das Programm „In Heaven – Songs for a Trip to Space“. Noch einmal stand Olivia Vermeulen im Zentrum – mit einer künstlerischen Präsenz, die das Publikum gleichermaßen bewegte und begeisterte. Mit großer Intensität, feinem Humor und einer warmen, leuchtenden Mezzostimme spannte sie den Bogen zwischen berührender Innigkeit und augenzwinkernder Leichtigkeit. An ihrer Seite brillierte Jan Philip Schulze mit pianistischer Präzision und klug gesetzten Moderationen, die das Programm zusätzlich vertieften. Ein Konzert, das zeigte, wie lebendig und grenzenlos Liedkunst heute sein kann.
Bemerkenswert war nicht nur die Begeisterung des Publikums, sondern auch die Resonanz der Künstler selbst. Immer wieder wurde die besondere Atmosphäre der Alten Synagoge hervorgehoben, die professionelle Organisation und vor allem Aufmerksamkeit, Begeisterungsfähigkeit und Herzlichkeit des Publikums. Die Künstler betonten, wie selten eine solche Nähe zwischen Bühne und Zuhörerschaft geworden sei. Der Tenor der Rückmeldungen war eindeutig: „Jederzeit wieder Hirschberg.“
Denn neben der künstlerischen Qualität ist es vor allem die besondere Atmosphäre, die das Hirschberger Liedfest prägt: die unmittelbare Nähe zwischen Publikum und Künstlern, die zahlreichen Gespräche und Begegnungen sowie die Offenheit für Bekanntes und Unbekanntes gleichermaßen. Mehrfach ausverkaufte Konzerte, ein treues Stammpublikum und zahlreiche neue Besucher, Standing Ovations und ein neugieriges Publikum unterstreichen den Erfolg.
Das Fazit des Jubiläums fällt eindeutig aus: Das Hirschberger Liedfest hat sich nicht nur etabliert – es ist zu einem kulturellen Fixpunkt geworden, der weit über die Region hinausstrahlt. Ein kleines Festival im Format, aber eines mit großer künstlerischer Wirkung und Strahlkraft.